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Cybersicherheit von Zutrittssystemen: NTC sucht Betreiber für Sicherheitsanalysen

Elektronische Zutrittssysteme regeln in Bürogebäuden, Rechenzentren, Spitälern und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen den physischen Zugang. Nach der Inbetriebnahme werden sie jedoch nur selten unabhängig auf Cyberrisiken geprüft. In verschiedenen Analysen hat das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit NTC gesehen, dass die Sicherheitsvorkehrungen in der Kommunikation zwischen Lesegerät und Controller verbessert werden müssen. Das NTC lanciert deshalb eine breiter angelegte Prüfung und sucht Organisationen, die ihr Zutrittssystem durch das NTC prüfen lassen möchten.

Ausgangslage

Ein Badge ans Lesegerät halten, ein kurzer Ton, die Tür öffnet sich. Der Vorgang wirkt alltäglich, dabei wird leicht übersehen, wie sicherheitskritisch er ist. Moderne Zutrittssysteme sind digitale, vernetzte Systeme. Beschafft und betrieben werden sie aber häufig nicht durch die IT, sondern durch Facility Management oder Gebäudebetrieb. Ihre Cybersicherheit fällt damit oft in eine Lücke zwischen zwei Zuständigkeiten.

Dass auch Systeme etablierter Hersteller substanzielle Sicherheitslücken aufweisen können, zeigen die im Januar 2026 publizierten Schwachstellen bei dormakaba. Auch das NTC ist in bisherigen Analysen, teilweise gemeinsam mit spezialisierten Unternehmen wie Aveniq, wiederholt auf Verbesserungsbedarf gestossen, besonders häufig in der Kommunikation zwischen Lesegerät und Controller. 

2026-zutrittssystemen

Im Fokus: die Verbindung zwischen Lesegerät und Controller

Die eigentliche Zutrittsentscheidung fällt nicht im Lesegerät, sondern im Controller oder in einem übergeordneten System. Die Verbindung dorthin ist in vielen Installationen ungenügend geschützt – aus drei Gründen:

Physische Erreichbarkeit: Lesegeräte befinden sich oft an der Gebäudehülle und lassen sich konstruktionsbedingt mit wenigen Handgriffen von der Wand lösen.

Unsichere Protokolle: Viele Installationen nutzen ältere oder proprietäre Protokolle ohne Verschlüsselung und Integritätsschutz. Modernere Standards wie OSDP (Open Supervised Device Protocol) sind nur wirksam, wenn der Secure Channel aktiviert und korrekt umgesetzt ist.

Organisatorische Trennung: Der operative Schutz vor Cyberrisiken liegt typischerweise bei der IT, das Zutrittssystem wird jedoch vom Gebäudebetrieb beschafft und betrieben.

Relevant ist dabei nicht der massenhafte Angriff über das Internet, sondern das Bedrohungsbild eines versierten Angreifers mit konkretem Ziel und kurzzeitigem physischem Zugriff – etwa auf das Kabel hinter einem Lesegerät an einer unbewachten Fassade. Ein lokaler Eingriff fällt im Betrieb zudem nicht sofort auf, da manipulierte Signale in den Systemprotokollen oft als reguläre Zutritte erscheinen. Das lohnt sich vor allem bei attraktiven Zielen wie Rechenzentren, sensiblen Produktionsumgebungen, Forschungseinrichtungen, Finanzinstituten oder Betreibern kritischer Infrastrukturen.

Was das NTC prüft

Im Zentrum steht eine klar eingegrenzte Frage: Wie gut ist die Verbindung zwischen Lesegerät und Controller in realen Installationen gegen Mithören und Manipulation geschützt? Da Demo-Umgebungen der Hersteller selten der Konfiguration im Feld entsprechen, will das NTC möglichst viele Produkte verschiedener Hersteller in realen Konfigurationen untersuchen, in enger Absprache mit dem Betreiber und ohne Beeinträchtigung des laufenden Betriebs.

Wer kann teilnehmen?

Gesucht sind Organisationen in der Schweiz, die ein elektronisches Zutrittssystem betreiben, unabhängig von Hersteller und Produkt. Besonders angesprochen sind Organisationen mit erhöhtem Schutzbedarf. Anhaltspunkte für die eigene Standortbestimmung: 

    • Ist die Verbindung zwischen Lesegerät und Controller nachweislich gegen Mithören und Manipulation geschützt (z. B. OSDP mit aktiviertem Secure Channel)?
    • Werden lokale Manipulationsversuche erschwert, erkannt (Tamper Protection) und an ein Sicherheitsmonitoring gemeldet?
    • Besteht zwischen IT-Sicherheit und physischer Sicherheit ein geregelter Austausch zu Konfiguration, Updates und Risiken?
    • Wurde das System nach der Inbetriebnahme unabhängig überprüft?

    Diese Fragen dienen der ersten Standortbestimmung. Eine Teilnahme ist unabhängig davon möglich.

    Was Teilnehmende erhalten
      • Eine unabhängige Sicherheitsanalyse der Schnittstelle Lesegerät–Controller ihrer Anlage.
      • Einen vertraulichen Bericht mit konkreten, priorisierten Empfehlungen.
      • Einen Beitrag zur Cybersicherheit der Schweiz: Die Erkenntnisse fliessen anonymisiert in eine fundierte Gesamteinschätzung der Risiken ein.
      Vertraulichkeit

      Die Ergebnisse der einzelnen Prüfungen werden vertraulich behandelt. Teilnehmende Organisationen werden nur auf eigenen Wunsch genannt. Identifizierte Schwachstellen meldet das NTC den betroffenen Herstellern gemäss der NTC Vulnerability Disclosure Policy. Übergreifende Erkenntnisse werden in anonymisierter Form veröffentlicht.

      Jetzt teilnehmen

      Das NTC sucht Organisationen, die ihr Zutrittssystem durch das Nationale Testinstitut für Cybersicherheit prüfen lassen möchten – mit Fokus auf die Schnittstelle Lesegerät–Controller. Interessierte melden sich über das folgende Formular.